LeadingWiki – die Evolution der Führung nach der Revolution der Net Generation
am 13. June 2008 in Kategorielos
Zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte besitzen Kinder in einem Fachgebiet mehr Autorität als die Erwachsenen. Das wirkt sich auf das Verhalten gegenüber angeblichen Autoritätsfiguren aus: Wer damit aufgewachsen ist, den Älteren die Welt zu erklären, für den ergeben herkömmliche Hierarchien wenig Sinn. Wenn jeder eine Autorität in einem bestimmten Gebiet ist, können wir flexible Teams bilden, die Probleme lösen, statt auf einen Boss zu hören, der angeblich alles weiß.
Wer die Menschen der Net-Generation rekrutieren will, verschwendet kein Geld für Stellenanzeigen. Was die neuen Arbeitskräfte anzieht, ist Flüsterpropaganda und virales Marketing zu Dingen, die ihnen wichtig sind. Er nutzt existierende soziale Netzwerke, um Aufmerksamkeit auf Marken, Produkte oder Kampagnen zu lenken, indem sich seine Nachrichten epidemisch „wie ein Virus“ ausbreiten.
Für die Net-Generation steht Verdienst an vierter Stelle, davor rangieren die Wünsche, neue Dinge zu lernen, Spaß zu haben und etwas Bedeutungsvolles zu tun.
Der Vordenker der digitalen Wirtschaft, der Kanadier Don Tapscott sieht so die neue Welt. Er ist Gründer und Geschäftsführer des Strategie-Beratungsunternehmens “New Paradigm”, Autor von elf Büchern und lehrt an der Rotman School of Management der University of Toronto. Sein Web-2.0 Credo für das Führen und Managen von Unternehmen hat vier Glaubenssätze: „freiwillige Zusammenarbeit“, „Offenheit“, „Teilen“ und „globales Handeln“?
Ob Web-2.0 eine Hype-Welle ist oder nicht, hat, so unsere Meinung, wenig Einfluss auf die notwendige Evolution der Unternehmen. Wie Menschen am Erzeugen und Nutzen von Wissen, am Verändern des Arbeitsumfeldes und der Vorgaben beteiligt werden, wenn Potentiale ausgeschöpft werden sollen, das sind die aktuellen Fragen. Neuartige Managementsysteme spielen hierbei eine wichtige Rolle. Wir haben uns darauf spezialisiert.
In unserer Projektarbeit verändern wir Strukturen und Abläufe unter den Prämissen:
„Transparenz von Vorgaben, Abläufen und Ergebnissen“; „Orientierung durch Prinzipien und Ziele“ und „Einbindung der Beteiligten“. Dieser moderne Beratungsansatz unter Einsatz von Social Software, insbesondere Wikis, läuft mit den Überlegungen von Tapscott kongruent.
Der Wiki-Arbeitsplatz der Zukunft zeigt nach Tapscott die „entfesselte Macht des wir“. Computer und die Vernetzung schließen die Menschen zusammen. In Wikis dokumentieren sie ihr Wissen und tauschen sich aus. Teamstrukturen lösen sich auf, Teams werden dynamisch, bilden sich nach Bedarf. Mitarbeiter sollen einen Teil ihrer Arbeitszeit neuen Ideen widmen, kreativ sein, sie dürfen dafür auch mal faulenzen. Entscheidungen werden nicht mehr allein von Top-Managern getroffen, es werden andere mit einbezogen, die das notwendige Wissen mitbringen.
Solche Bilder der neuen Arbeitsorganisation sind grundsätzlich willkommen. Auch wenn Wikis später eine bottom-up-Dynamik nutzen sollen, ist eine top-down Einführung in wohlüberlegten und gut beobachteten Schritten ratsam. Es sollte die Erfahrungen aus Pilotprojekten genutzt werden, um zu lernen. Auch hier gilt, je größer die Notwendigkeit der kulturellen Weiterentwicklung ist, umso behutsamer ist vorzugehen.
Eine Web 2.0-Lösung mit einem „Bigbang“ einzuführen ist nicht zwingend. Es ist auch nicht unbedingt nötig, bei den Pionieren des neuen Zeitalters dabei zu sein. Doch je eher Unternehmen beginnen, umso mehr Zeit bieten sie ihren Führungskräften die „Revolution der Net-Generation“ zu meistern. Spannend wird es so oder so, für alle Beteiligten und Betroffenen.
